Heute mal „Trans…“

Früher, als Deutsche noch Deutsch sprachen und kein Denglisch, sagte man zu dem Teil, das mich heute und gestern beschäftigt hat, „Echolot-Geber“ . Und jeder, der mit Seefahrt zu tun hatte, wusste, was gemeint war. Heute heißt so ein Teil „Transducer“ . Da wird der deutsche Skipper zur „Trans“ -Person und bringt sich besser gleich noch ein Wörterbuch „Denglisch-Deutsch“ mit, da auch die deutsche Bedienungsanleitung diese „Fachbegriffe“ nicht ins Deutsche übersetzt. Denn wenn der „Transducer“ erst mal montiert ist und sendet und empfängt, dann muss man ihm über den „Plotter“ erst einmal mitteilen, was man denn gern für Daten von ihm hätte und wie man ihn polen soll. Denn er macht ja nicht nur einfach immer „Ping“ und wartet, bis das Signal vom Seeboden zurückkehrt, damit er die Laufzeit messen kann und daraus die Tiefe berechnet. Er kann seine Signale ganz unterschiedlich senden, empfangen und aufbereiten. Je nachdem, ob ich einen „Foreward-Scan“, „Down-Scan“ oder „Side-Scan“ beauftrage! Und wenn ich noch mehr Geld für teure „Transducer“ ausgeben würde, dann kämen die mit noch mehr tollen „Features“ und Namen daher.

Brauche ich aber nicht. Denn ich will nur die Tiefe unter mir wissen. Vielleicht auch noch die Art des Grundes, das aber zuverlässig und herunter bis „0“, also dem Zeitpunkt, wo es unterm Kiel knirscht – oder saugt.

Dafür habe ich nun einen „Inboard-Transducer“ der preiswerteren Art erworben. Der kam freilich auch nur mit englischer Montage-Anleitung und reichlich fremden Fachwörtern daher. Brauchte ich aber nicht, denn solche Montage ist keine Atomwissenschaft. Schon gar nicht, wenn man in seinem Leben schon ein Dutzend „Transducer“ montiert und angepasst hat. Zu Zeiten freilich, als sie noch „Geber“ hießen.

Gestern also mit weißem Silikon das äußere Gefäß von innen auf den Schiffsboden geklebt und alles schön wasserdicht verstrichen. Ein wenig seitlich, durch die Backskiste zugänglich, aber den Fehlwinkel konnte man durch die besondere Art der Montage wieder ausgleichen. Strahlt also senkrecht nach unten, obwohl der leicht schräg, der Schiffsform folgend, montiert ist. Da hat schon mal einer nachgedacht. Und es muss sich nun nur noch ein anderer finden, der das so in deutscher Sprache beschreiben kann, dass es nicht komplizierter wirkt als gänzlich ohne Montage-Anleitung.

Heute 75ccm Frostschutzmittel eingefüllt, dann den „Transducer“ mit von Vaseline umriebenem Gummiring abgedichtet und mit leichtem Rechtsdruck in die Bajonettfassung eingerastet. Danach sofort den Simrad Go9 XSR gestartet und – oh Wunder – die Tiefe wurde ohne wenn und aber angezeigt. Jetzt musste ich nur noch den Versatz zwischen „Transducer“ – Level und Unterkante Kimmkiele einstellen (-30cm) und dann bekomme ich eine „0“ angezeigt, wenn die Kiele aufsetzen. Mir fehlte im Verein aber eben noch die Sandbank, um das auch zu „verifizieren“ (um auch mal ein lateinisches Wort zu bemühen, für das man auch „beweisen“ sagen könnte, aber das kann ja jeder…) Natürlich nur im „Downscan“ . Und die Fischanzeige habe ich deaktiviert. Die nervt nur, zumal das gar nicht alles wirklich Fische sind, was da angezeigt wird. Wenn ich mal angeln will, dann kann ich das ja wieder umstellen.

Jetzt läuft alles: der neue Simrad Go9 XSR und der alte KP-27X und das hochmoderne Seefunkgerät mit Touchdisplay müssen nur noch alle im selben NMEA2000-Netz ihre Daten teilen. Da fehlt mir nur noch ein „Patch“ -Kabel für den „Backbone“ und dann ist das so. Dann wird es möglich sein, dass das MFD (Multifunktionsdisplay) Go9 XSR nicht nur alle AIS-Schiffe anzeigt, sondern dass ich per Fingertouch auch auf dem Display eine digitale Funkverbindung herstellen kann. Im Bruchteil einer Sekunde. Und es gibt ja Situationen auf See, da hat man nur noch diesen Bruchteil… Möge mir das erspart bleiben, denn ich kenne das ja schon…

„Klappnasenbolzen“

Nein, das ist kein zwischenmenschliches Schimpfwort! Obwohl, wenn ich einen Moment darüber nachdenke, mit was für ungewöhnlichen Menschen ich es in meinem langen Leben schon zu tun bekommen habe, dann wären da gewiss auch ein paar „Klappnasenbolzen“ darunter gewesen.

Der Fachbegriff beschreibt aber vielmehr einen Ersatz für eine Schraube, besser eine Sicherungsschraube, die mit einer Mutter nach dem Durchstecken am anderen Ende gesichert werden müsste. Besser mit zweien, die gekontert werden. Oder mit Sprengring, damit die Mutter sich nicht durch Vibrationen lösen kann.




Alles prima, aber wenn man regelmäßig eine Verbindung lösen muss, ohne dass man dazu viel Werkzeug braucht, das einem weit vorn am Bug auch immer tendenziell ins Wasser fallen will, dann muss eine praktische Lösung her: Der Klappnasenbolzen eben. Ein Stift mit einer Klappnase. Die macht man grade, um ihn durchzustecken und klappt sie dann zur Sicherung um. So die Theorie. Und ich versuche das jetzt auch beim Vorstag der Brise. Das muss ich ja zum Mastlegen immer lösen und die bisherige Schraube mit Mutter ist schon die dritte, weil die Vorgängerinnen immer mittels Erdanziehung ins Wasser gefallen sind. Schaumermal. Auf alle Fälle muss man den Bolzen im Auge behalten, ob er sich nicht vielleicht doch mal von alleine aufklappen könnte und dann der Mast ungewollt zum Blitzklappmast werden könnte…

Technik-Optimierung steht an

ONWA KP-27X, derzeit verbaut, mit AIS-Transponder

KP-27X= das Multifunktionsgerät von ONWA. Funktioniert auch: Zeigt die Seekarte und meine Position, zeigt alle AIS-Signale und sendet auch mein eigenes aus und zeigt die Wassertiefe an, allerdings nur eingeschränkt und nicht justierbar. Und Letzteres wurmt mich. Zwar zeigt das Echolot die Tiefe an, aber nur ab ca. einem Meter Tiefe. Und anfangs zeigte er auch nur bis zehn Meter Tiefe an. Das sind zwar die Werte, die für mich wichtig sind, aber ich hätte gern noch etwas flachere Werte, die man beim Anlaufen von Prielen und Schlickhäfen gut nutzen kann. Also vertiefte ich mich in die Abgründe der Menue-Einstellungen bei dem Gerät. „Pädagogisch wertvoll“ geht anders. Tausend Dinge kann man einstellen, aber nie weiß man, was dann passiert. Try and error. Geht ja auch, dauert aber und man kann sich auch mal verzocken und kommt nicht wieder auf die alte Einstellung zurück. Dann Bildschirm dunkel oder Zahlen weg. Ich hab’s jedenfalls ganz gut hinbekommen, bin aber nicht zufrieden. Denn mit Schlick können dieser Geber und seine Auswertung im KP-27 nicht gut umgehen. Den negieren sie einfach und zeigen nichts an. Gar nicht gut für Schlicklochfahrer wie mich.

Und wenn ich schon bei der Funktionsbeschreibung nach einem Praxiswochenende für den KP-27 bin, dann will ich auch dies noch erwähnen: Mich nervt, dass es kein Touch-Display ist, wie von meinem Simrad Go 7 auf der Drallen Deern gewöhnt! Immer mit dem Fadenkreuz den Cursor über den Schirm jagen, ohne dass man ihn richtig sehen kann, bei Sonne schon gar nicht mehr, das schießt über das Ziel hinaus und macht Karteneinstellungen zu einer nervigen Sache! Und das Display gerät bei Sonne an seine Grenzen. Simrad war deutlich heller und spiegelfreier. Und man kann den Kielversatz beim Echolot nicht einstellen (dafür tausend andere für mich unerklärlich bis unwichtige Dinge!). Ich bin es gewohnt, ohne viel Rechnerei zu segeln: geht das Echolot auf „Null“ runter, dann laufe ich in dem Moment auf. Ich stelle also den Kielversatz im Verhältnis zur Geberposition genau ein und dann ist „Null“ auch gleich „Null„. Wenn man das nicht kann, dann muss man ständig rechnen wie seinerzeit bei den Digitaluhren. Warum tragen die meisten von uns analoge Uhren am Arm? Weil man nicht rechnen muss, sondern ein Blick genügt, um informiert zu sein.

Und dann nervt es mich auch, dass ich, wenn ich nur das AIS im Hafen weiterlaufen lassen will, immer den ganzen Plotter eingeschaltet lassen muss, weil es ja ein einem Gerät verbaut ist. Was sich mir anfangs als Vorteil darstellte (ein Gerät gespart!), scheint mir nun doch ein Nachteil zu sein. Ich dimme dann immer die Helligkeit des Displays runter, damit sich das auch nicht so erhitzt und auch nicht so viel Strom zieht, aber das ist ja keine wirkliche Lösung.

Was ist nun die bessere Lösung?

Ein Gerätetausch zugunsten eines Simrad Go 9. Ja, „9“ statt „7„. Also neun Zoll großes Touch-Display, deutlich größer als sieben Zoll. Und weil die Serie jetzt wohl im Ausverkauf ist, wird der Neuner sogar billiger angeboten als der siebener. Eigentlich zum halben Preis – kaum zu glauben. Und weil der Geber („Transducer„) auch nicht so optimal wirkt und der Stecker eh nicht passt, kommt auch noch ein neuer Geber ins Boot, und zwar von innen und ohne Durchbruch. Ein Loch reicht, und das wird im Winter auch wieder – nach Entfernung des alten Gebers – geschlossen. Vorteil: ich kann jetzt und im Wasser den Geber montieren und muss nicht dafür das Boot jetzt aus dem Wasser holen (dazu fehlen mir noch Rungen am Trailer oder das nötige und heftige Kleingeld für den Kran).

Simrad Go 9 mit Touch-Display
Netzwerktauglich

Da der Simrad aber kein AIS verbaut hat und mir das erst mal zu teuer ist, extra anzuschaffen, dimme ich den KP-27 total runter, lasse ihn als AIS-Transponder im Netzwerk und füge den Simrad als Plotter und Echolot hinzu. Noch ein Vorteil vom Touch-Simrad Go: Da auch das Seefunkgerät im Netzwerk ist, kann ich vom Plotter aus mit einem Fingertipp die Funkverbindung zu einem anderen AIS-Schiff herstellen. Genial!

Heute soll nun das Simrad-MFD (MultiFunktionsDisplay) kommen und ich habe eben bei TOOM schon mal Silikon geholt, damit ich als erstes das Einbaugehäuse für den neuen Inboard-Geber einkleben kann. Morgen ist es fest und dicht, wird dann mit Frostschutzmittel vom Auto halb aufgefüllt und dann der Geber reingeschraubt. Dann Kabel verlegen und dann muss ich das Einbauloch in der Cockpitwand der Kajüte von 7 Zoll auf 9 Zoll mit der Stichsäge erweitern, damit der Simrad auch rein passt. Der KP-27X wird dann innen montiert. Da ist noch Platz genug (ein großes Wort auf einem kleinen Schiff!).

03.05.26 Finale und Fazit

Die Schweiburg-Bake. Ein Oberfeuer für die Weser, nicht für die Schweiburg. Sie steht auf den letzten festen Landmetern der Strohauser Plate. Davor sind zwei aufeinander zulaufende Steinmauern gesetzt, die ein spitzes Dreieck bilden, das sich mit Schlick aufgefüllt hat. Bei HW sieht es aus, als könne man darüber abkürzen. Man wird aber nicht weit kommen, wenn man es versucht. Bei NW, wie auf dem Foto, sieht man dann das ganze Gebilde. Und nur bis dort steht bei NW in der Schweiburg auch ein wenig Wasser, wo man gut ankern kann, wenn man genau bei NW dann mit der ersten Flut weseraufwärts fahren will – wie wir heute.

Aber wir sind etwas zu früh gestartet. Ich habe mich von dem Wasser täuschen lassen, das plötzlich von der Weser in die Schweiburg einlief. Das muss aber von irgendeinem Dampfer gestammt haben, denn das Oberflächenwasser lief noch deutlich ab. Ein Blick mit dem Fernglas auf die Fahrwassertonnen hätte mir das sagen können. Aber egal: wir fuhren außerhalb des Fahrwassers, nahe am Ufer, und da war nicht mehr viel Strom. Und spätestens in Höhe Rechtenfleth hatten wir Stauwasser, die Tonnen standen für ein paar Minuten kerzengerade. Und ab Sandstedt schob dann erst vorsichtig, ab Brake kräftiger, der Flutstrom mit. So kamen wir zügig voran, nur mit segeln war nichts. Mal war kein Wind, dann wieder genau von Süden, also „auf den Kopp“, was zeitraubende Kreuzschläge erfordert hätte.

Der Außenborder der Brise läuft wie eine Nähmaschine und verbraucht sehr wenig Sprit. Gefühlt war nach Fahrtende der Tank immer noch genauso schwer/voll wie bei Fahrtantritt. Ein gutes Zeichen. Nur das Standgas muss ich etwas höher stellen, weil er da manchmal ausgeht. Aber Rumpfgeschwindigkeit muss bei knapp fünf Knoten liegen und plus Tide sind wir in weiten Strecken so mit 7kn über Grund unterwegs gewesen. Das reicht. Und so waren wir flott in Grohn, wo wir genauso flott unsere Masten wieder gelegt haben.

Bei der Brise habe ich, weil ich Schleusen-Höhen-Sorgen hatte, den Jütbaum nach gelegtem Mast geteilt und abgelegt. Ebenso an der hinteren Maststütze mit einer Tauwerks-Schlaufe für ein etwas tieferes Lager gesorgt habe. Beides hat die Durchfahrtshöhe erstaunlich stark reduziert, deutlich mehr, als was in der Schleuse nötige gewesen wäre.

Schleuser Marco hatte schon das Tor offen und „grün“, als die Ritterhuder Schleuse erreichten. Die Kommunikation (ab Autobahnbrücke Lesum) hat wieder einmal funktioniert. Dann haben auch beide Anlegemanöver auf Anhieb geklappt und unabhängig voneinander haben wir unsere Masten gestellt und an Bord aufgeräumt. Ich war erstaunt, wie schnell und gut Tobias und Ralf den Mast der Drallen Deern wieder stehen hatten. Und ich war zugleich froh, dass ich das auf der Brise schnell und ganz allein erledigen konnte. Was etwas aufhielt, weil ich alleine war, waren wirklich Kleinigkeiten im Ablauf, die noch abgestellt werden mit einfachen Mitteln.

Fazit des Törns:

Was war das Ziel?

Für die Dralle Deern eine technisch-fahrerische Übergabe des Bootes, eine Art „Lehr-Törn“ für die neuen Eigner. Dazu musste ich nicht an Bord sein, aber ich war immer in der Nähe und in den Häfen natürlich auch mal an Bord, wenn es etwas zu erklären gab. Gleichzeitig sollte es für Werner und mich ein erster Test mit der deutlich kleineren Brise werden. Würden wir da überhaupt schlafen können, kochen, und ausreichend Stauraum finden? Wie sind die Fahreigenschaften unter Segel und unter Motor?

Das Ergebnis:

Für alle Seiten – so höre ich – ein volles „Sehr zufrieden“ aus ganzem Herzen! Die Dralle Deern-Crew muss sicher die vielen Eindrücke erst mal sacken lassen, von freifliegenden Papageien in Rechtenfleth bis zur wunderbaren Natur in der Schweiburg. Der Wind war mit uns- jedenfalls an zwei von drei Tagen. Beide Boote waren ungefähr auch gleich schnell unter Segeln. Jedenfalls bei achterlichen Winden. Die Kreuz müssen wir noch testen und dann wird es hart für die Dralle Deern-Crew mit Schwert rauf und Schwert runter, ohne Winschen für die Vorsegel und dann auch mit zwei Vorsegeln! Da lobe ich mir jetzt – dem Alter sei’s gezollt -die wunderbare Rollreffgenua auf der Brise. Und sie knistert noch so schön, weil sie noch fast neu ist. Auch das Großsegel ist von guter Qualität. Ich werde es noch umbauen, dass ich es vom Cockpit aus setzen und niederholen kann. Ein Sicherheitsaspekt.

Was ich aber unbedingt noch benötige, und das hat mir der heutige Einhandsegeltörn gezeigt, ist ein Autopilot. Eine Pinnensteuerung, oder Pinnenpilot genannt. Dann kann ich das Ruder auch mal loslassen, einen Tee kochen, den Anker klarieren oder ein dringendes Geschäft verrichten ohne akrobatische Tugenden an den Tag legen zu müssen. Ja, und die stabile Gummi-Pütz als Klo-Ersatz habe ich heute auch eingeweiht. Hat geklappt, wie früher, wie immer…

Jetzt bin ich reichlich fix und alle und mache noch an den Fotos und Filmen rum. Die werde ich natürlich, wenn fertig, auch hier verlinken. Also ruhig noch mal reinklicken in den nächsten Tagen! Zum Schluss steht ein Foto und Clip aus dem Hafen, als alles und alle fertig waren: